Einen Stein in Rollen gebracht…

Arbeitende Kinder in einem Steinbruch in Indien

© Benjamin Pütter

… hat der 5. Mai 2017 mit Sicherheit. An jenem Abend versammelten sich in der Auenkirche in Markkleeberg Interessierte, Fachfrauen und Multiplikatoren, die allesamt ein Anliegen eint: Alternativen zu importiertem Naturstein, produziert unter menschenrechtsverletzenden Bedingungen, einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Organisiert wurde das Gesprächsforum von der Projektstelle „Kirchengemeinden – Lernorte für Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit“ der Evangelischen Landeskirche Sachsen.

Bereits im Herbst 2014 unterzeichneten zu diesem Thema acht Kooperationspartner aus Zivilgesellschaft, Israelitischer Religionsgemeinde, Handwerk, Kirche und Kommune das Positionspapier „Grabsteine ohne Menschenrechtsverletzungen auf Leipziger Friedhöfen“. Obgleich mit dieser Verlautbarung ein Meilenstein erreicht wurde, bot der Informationsabend die Möglichkeit, Strategien zur konkreten Umsetzung des Papiers zu diskutieren. Den Einstieg in die Diskussion leistete dabei Benjamin Pütter (Berate beim Kindermissionswerk Sternsinger) mit Untersuchungsergebnissen zu den oftmals menschenrechtsverletzenden Arbeitsbedingungen in indischen Steinbrüchen.

Verschiedenste Vertreter, beispielsweise der Steinmetzinnung, des Evangelischen Kirchenbezirks oder der Stadt Leipzig, waren sich schnell einig: es ist möglich und auch bezahlbar, Gestein aus fragwürdiger Herstellung zu meiden. Ob zertifizierte Ware aus fairem Handel, Altgestein oder regionaler Naturstein: es gibt gerade in der sächsischen Region einige Möglichkeiten, sich aus einer Vielfalt an Farben und Formen das passende Produkt für ein Grabmal auszuwählen.

Die Herausforderung liegt nun darin, diese Erkenntnis an geeigneter Stelle zu kommunizieren. Hierbei sind wohl besonders Pfarrer und Steinmetze gefragt, die mit Trauernden in Kontakt kommen und diese mit der gebotenen Sensibilität über die Herstellungsbedingungen in der Steinindustrie aufklären können. Weitere Handlungsansätze sind beispielsweise die Aufnahme entwicklungspolitischer Bildungsarbeit in die Ausbildung von Steinmetzen, Friedhofspersonal und Seelsorgern, aber auch die Überarbeitung von Satzungen und übergeordneten Rechtsvorschriften.

Einen vielversprechenden Ansatz gibt es dabei auch auf Seiten der Kirchen. Sowohl die Auenkirchgemeinde Markleeberg Ost als auch das Landeskirchenamt beraten über einen Passus der jeweiligen Friedhofsordnung. Diese soll es Kirchengemeinden ermöglichen, Steine, die den Anforderungen der allgemeinen Menschenrechte nicht standhalten, nicht aufstellen zu lassen.

Dass als dies auch Stein des Anstoßes sein kann, ist unumstritten. So ist das eben mit ins Rollen gebrachten Steinen. Weitere Information zum Thema Naturstein aus fairem Handel finden Sie in der Broschüre „Würdiges Gedenken„.